San Fermo (175 km) 29. März 2014

Als Flugweekend getarnt versuchen Philipp, Simon, Stefan und ich den lokalen Rekord zu knacken. Ein tolles Team, am Boden und in der Luft.

Philipp gibt einen hohen Rhytmus vor. Davon schneide ich mir gerne ein "Rädli" ab. Meine Sissi-Route durchs Hinterland von Lecco erweist sich als gut. Aber hinter vorgehaltener Hand gebe ich gerne zu, dass ich hier nicht landen möchte.

Nach der Veltlin-Querung muss ich aufs Ersatzbänkli. Mental parat passe ich die rettende Blase ab. Das Veltlin geht runter wie Öl. Nur einmal drehe ich auf. Am Ende des Veltlins wechsle ich die Seite, um im Talwind aufzusoaren. Leider etwas zu wenig hoch, um eine sichere Querung auf den dritten Schenkel zu wagen (Sissi lässt grüssen).

Aber Sissi gibt nicht auf. Ich lasse mich ans ende des Veltlins treiben und nehms mit dem Talwind - immerhin bis zu 20 km/h auf 2000m - auf. Dies beschert mir einerseits Routine mit meinem neuen Peak 3, anderseits einen wunderschönen Abgleiter aus 2900m in schönstem Abendlicht.

Dass ich den anderen immer so knapp auf den Fersen war, hab ich gar nicht realisiert.

Grossen Dank geht an flywithandy.ch für das tolle Wochenende und den perfekten Rückholservice.

Wer sich mental verbessern will, dem empfehle ich oneday.ch mit Thomas Theurillat.

Fiesch (185 km FAI) 19. August 2012

Die blauen Tupfer im Regtherm verwandelten sich über Nacht in lauter Grüne. Auch die Windwerte auf der Jungfrau und Grimsel versprechen nichts Gutes. Die Motivation etwas gebremst, machen wir uns trotzdem früh auf zum Startplatz. Oder besser gesagt ins Bergrestaurant. Nach einer Cola halte ich es nicht mehr aus. Ich verschiebe mich zum Startplatz. Dort lassen sich die Thermik-Zyklen besser beobachten.

Kurz nachdem die Ersten gestartet sind, hebe auch ich ab. Ich will nicht nocheinmal dasselbe Cabaret wie am Vortag erleben. Mit viel mehr Platz dreht es sich besser und schon bald kann ich zur ersten Querung ansetzen.

Obwohl einige in atomarer Höhen dahingleiten, fliege ich recht tief das Goms hinauf. Auf der Höhe von Münster versuche ich auch in höhere Gefilde vorzudringen. Was mit hässlichen Windscherungen quittiert wird. Lustig ist anders und so kehre ich noch vor Ulrichen. Eigentlich habe ich die Nase voll.

Auf dem Rückweg zeigt sich die Thermik, im Schutze der höheren Berge, von der schönen Seite. So drehe ich hoch und komme mit 3600 Metern über dem Eggishorn an. Dort trägt mich eine Blase weitere 450 Meter hinauf. Irgendwie reut es mich, die Höhe einfach zu verbraten und ich peile Nesseln an. Dort geht der Lift direkt zum Nesthorn. Langsam kriege ich Appetit.

Lässig cruise ich dem Lötschental entlang, vorbei an Breithorn, Bietschhorn und anderen schönen Bergen. Der Wind hat, wie prognostiziert, nachgelassen. Mittlerweilen schiebt ein Ostwind recht flott. Alle Leefallen sind abgeschaltet und das einzige auf was man sich konzentrieren muss, ist die Aussicht.

Erst vor Les Diablerets wird es wieder etwas heikel: Der Wind beschleunigt auf fast sechzig Sachen im Trimm. Mit etwas Geduld lässt sich der Einstieg in die Thermik finden. Ich setze meinen zweiten Wendepunkt und mache mich auf, Richtung Weissmies. Ich quere zu den Südtälern und fliege in das Val d'Anniviers, um dort windgeschützer aufdrehen zu können.

Mittlerweilen haben sich andere Piloten zu mir gesellt und wir kreisen gemeinsam auf. Mit satter Höhe im Tank fliegen wir im Pulk direkt Richtung Nadelhorn. Dort drehe ich wieder auf, um die Querung ans Weissmies in Angriff zu nehmen. Der Ostwind ist nun Westwind und so lässt es sich wunderbar am Weissmies aufsoaren. Es ist so ruhig, dass ich lässig ein paar Fotos knipsen kann. Sogar ein Axis gesellt sich zur Fotosession.

Da meine zwei Fluginstrumente mittlerweilen eine Höhendifferenz von 200 Metern aufweisen, beschliesse ich, nicht das Tagesmaximum auszudrehen. Ich gleite Richtung Brig, als mich ein ziemlich unangenehmer Wind, vom Simplon her, empfängt. Ich suche im Kessel von Rosswald Unterschlupf. Es ist schon spät und so beginne ich Meter für Meter hochzukratzen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt ein Pilot des Weges und dreht frech, rund fünfzig Meter vom Hang entfernt, ein. Dankend nehme ich den Wink entgegen und steige mit. Leicht übermütig drehen wir den Schlauch nicht aus und machen uns auf den Endanflug.

Wir werden mit Gegenwind bestraft. Einmal denke ich es reicht bis nach Fiesch, dann wieder nicht. Ein ewiges Hin und Her, welches mit der Landung Eingangs Fiesch ein Ende nimmt. Heugümper nehmen den Schirm in Beschlag und die Leinen verbünden sich mit dem Heu.

Was für ein Flug. Nach 8.5 h Flug sitze ich da und bin überglücklich. Eigentlich zu Müde, um überglücklich zu sein, aber überglücklich. Kaum gepackt, stoppt eine Italienerin, die alle Piloten im Umkreis von 5 Kilometern aufsammelt, bis sie ihren gesuchten Findling endlich entdeckt.

Was für ein Tag. Bogonnen mit der grossen Keule, beendet mit dem Sahnehäubchen.

Fotos

Fiesch (195 km) 26. Juli 2012

Am Morgen grüsst der blaue Himmel. Wunderbare Sicht auf die Berge. Heute soll ja der Tag sein. Wenig Südwest-Wind, hohe Basis, lange Thermik.

Zum Frühstück hab ich soviel reingeschoben, wie nur möglich. Und viel Tee. Ich besteige das 9-Uhr Bähnli, wie so viele Andere auch. Am Startplatz hat ein Rudel Italiener den ganzen Startplatz mit Schirmen belegt. Die ersten Flugbojen zeigen noch keine gute Labilität. So sitzen alle etwas länger am Startplatz rum.

Ich blende die rumproletenden Italiener aus. Kurz nach Zehn lege ich meinen Schirm vor die unbemannten Gleitschirme. Mittelzäher Start.

Nach der Querung nach Bellwald steigts mässig bis angenehm gut. Schon relativ bald stellt sich eine hohe Basis ein, sodass ich den ersten Wendepunkt an den Gärsthörnern setzen kann. Der Rückweg Richtung Eggishorn ist schnell vollbracht. Weit hinten, über dem Fieschergletscher, fast beim Wasenhorn, quere ich an das Wannenhorn und fliege weiter Richtung Geisshorn. Es eröffnen sich atemberaubende Bilder auf den Aletschgletscher, Konkordiaplatz, Eiger, Mönch, Jungfrau und weitere Viertausender. Das Eggishorn ist nur ein kleines Bergli weit vorne im Tal.

Mit der Atomhöhe cruise ich weiter ans Bietschhorn und lassen eben Mal die TMA Sion links liegen. Eigentlich muss ich mich ständig bemühen, die 3950 Meter Top nicht zu überschreiten.

Erst auf der Höhe der Plaine Morte beginnt sich der Nordwind einzumischen. Die Thermik wird recht zerrissen und ruppig. Ich kämpfe mich weiter an die Diablerets. Eine wunderbare Aussicht ins Berner Oberland tut sich auf. Ich setze meinen zweiten Wendepunkt. Crans ist schon stark von Norden her überströmt. Ich fliege weiter draussen im Tal. Soviel habe ich am Dienstag gelernt... Noch muss ich auf die TMA Sion aufpassen.

Schon bald ist es 17:05 und ich könnte an die Südtäler queren. Ich bleibe jedoch lieber auf der Nordseite, da ich befürchte, dass die Südtäler von Süden her überblasen werden könnten. Irgendwann wird die Nordkomponente doch zu stark und ich quere bei Turtmann auf die andere Seite. Recht flott kann ich an der Querrippe aufsoaren. Es ist ein Gemisch aus Talwind und Westwind. Als ich die Krete erreiche, kann ich mich nur noch an die nächste Querrippe spülen lassen. Gleiches Spiel von Vorne. Die Sache ist mir nicht ganz geheuer. Ich beschliesse nicht ins Saas-Tal zu fliegen, jedoch den Flug nach Hause zu bringen. An den Visperterminen zeigt sich die gleiche Lee-Soar-Konstellation wie zuvor. Hier kann ich mich endlich aus dem Talwind befreien.

Ich fliege mit dem Wind ans Glishorn, drehe ein paar Mal und fliege weiter. Ich halte gerade aufs Fülhorn zu und kann es ohne zu drehen überhöhen. Die Freude währt nur kurz, denn es beginnt sich Westwind und Grimselwind zu mischen. In einer Mischung aus Konvergenz und Sonstwas gleitet es recht gut, sodass ich das Dreieck am Startplatz nahezu schliessen kann. Die Landung in Fiesch ist zu meiner Überraschung sehr einfach.

Völlig müde falte ich meinen Schirm, empfange meine Familie und besuche am nächsten Tag in Ernen den Zauberwald. Irgendwie wie im Flug.

http://www.xcontest.org/world/en/flights/detail:grafal/26.7.2012/08:23

http://grafitation.ch/j25/index.php/galerie-mainmenu-39/category/75-fiesch-26-7-2012

 

Sightseeing Fiesch 18. August 2012

Das Regtherm verspricht gigantische Höhen von über 5000 Metern. Ich motiviere alle dazu, früh am Startplatz zu stehen.

Es scheint, als ob jemand anders den Rest aller Piloten aus der Schweiz und dem Ausland auch dazu motiviert hat. Die Inversion entpuppte sich weitaus hartnäckiger als prognostiziert. Und so kommt es, wie es kommen muss, dass sich 50-100 Piloten im Startschlauch tummeln. Die nicht ganz stressfreie Startrunde kostet recht viel Energie.

Nach einer Stunde kann ich die Inversion endlich bezwingen. Gemütlich quere ich nach Bellwald und tuckere das Goms hinauf. Recht einfach kann ich den Grimsel zum Nägelisgrätli queren. Auch dort finde ich Steigen und kann darum ohne grosse Mühe Richtung Fiesch fliegen. Obwohl die Thermik sehr hoch reicht, ist sie recht schwach. Ich verbrate viel Zeit beim Drehen, ohne richtig vorwärts zu kommen.

Darum stelle ich auf Genussfliegen um. Es bietet sich eine der wenigen Chancen, das Finsteraarhorn zu überhöhen. Ich schlage einen Hacken und kann bald an den Fuss des Riesen queren. Dummerweise besteht die einzige Möglichkeit den Berg zu bezwingen, im Aufdrehen im Lee. Die dutzenden anderen Piloten machen das Unterfangen auch nicht entspannter, da der Platz im Lee sehr beschränkt ist. Mit viel Respekt brauche ich drei Anläufe.

Herrlich diese Aussicht ins Berner Oberland. Fast eine Einladung zum rübergleiten. Ich lasse es jedoch bleiben und bestaune den Aletschgletscher und ein paar andere Berge.

Beim zurückgleiten ans Eggishorn sehe ich, wie einer am Notschirm runtergeht. Was genau passiert ist, habe ich nicht beobachtet. Ich mache mich auf die Suche nach dem Piloten, kann ihn aber leider nicht finden. Weil ich ihn nicht finde, rufe ich aus der Luft die Rega 1414 an. Die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung bestätigt mir den Abgang und dass der Pilot sich bereits gemeldet habe. Er ist unverletzt.

Ich setze meinen Aussichtsflug fort. Nach fünf Stunden habe ich genung und setze zu einem unendlichen Gleitflug nach Fiesch an. Zufrieden lande ich nach 5:40h.

Zwar habe ich nicht viele Kilometer gefressen, doch die Bilder sind fest eingebrannt. Was für ein Tag!

Para-Trekking 24. - 26. Juli 2012

Der Wetterbericht verspricht für drei bis vier Tage perfektes Flugwetter. Um mich ein bisschen auf die Sommerferien einzustimmen, beschliesse ich diese Schönwetterperiode fliegerisch zu nutzen.

1. Tag (Pizol und Cassons)

Der Temp ist nicht so gut wie prognostiziert. Trotzdem fahre ich früh auf den Pizol, um meine Flugpläne Richtung Westen umzusetzen. Die Inversion ist gut zu sehen und fast auf Startplatz-Höhe. Da steh ich nun ich armer Thor. Um viertel vor Elf beschliesse ich zu starten. Wenn ich noch länger warte, werde ich das Tagesziel sicher verfehlen. Und am Schluss bin ich soweit wie zuvor. Ein wunderschöner Abgleiter nach Wangs.

Per Zug und Postauto verschiebe ich mich nach Flims. Wenn die Thermik nicht zu mir kommt, fahr ich halt zu ihr. Nach ein bisschen Soaren beamt es mich auf fast 3600m. Eine tolle Starthöhe, die am Cassons Luxus ist. Da düse ich nun mit flottem Rückenwind vor mich her, schon den Anschluss an den Brigelser Hörnern vor Augen, als ich pickelhart vom Nordwind runtergewaschen werde. Wie ich mich auch winde und drehe, es hilft alles nichts. Ich stehe nach gnadenlosen 15 Minuten am Boden. Aber erst nachdem ich im Talwind-Lee die Gleitschirm-Knet-Maschine durchlaufen habe.

Da diese Woche die Gleitschirm-SM in Disentis am Laufen ist, fahre ich nach Distentis. Nadja ist so lieb und holt mich am Bahnhof ab. Nach einem lustigen Abend, steige ich früh ins Bett, damit ich für den nächsten Tag fitt bin.

2. Tag (Lai Alv)

Nach einem wirklich feinen und guten Frühstück mogle ich mich mit dem Gleitschirm-Tross auf die Lai-Alv. Der Nordwind ist deutlich stärker, als angesagt. Das wird schwierig über die Pässe ins Wallis. Am Startplatz zeigt sich der Wind von allen Seiten. Vollgas von hinten, schöner Aufwind, Seitenwind, ganzes Programm. Der Task der SM wird mehrfach umgeschrieben. Hauptsächlich soll in den Südtälern geflogen werden. So mach ichs wie alle. Warten, bis die Sonne die Südtäler genug aufgeheizt hat. Lustige Diskussionen und gute Tipps verkürzen die Wartezeit, bis die Front von Südosten uns erreicht. Leider Nein. Der ganze Tross verschiebt sich per Seilbahn ins Tal, so auch ich. Ich verabschiede mich, von den vielen netten Leuten an der SM, Richtung Wallis.

3. Tag (Fiesch)

Eingepfercht im Kämmerlein des Hotel Kristall geniesse ich ein überteurtes Einzel-Zimmer mit Gang-Toilette. Heute ist DER Tag. Nach einem üppigen Zmorgen stehe ich früh am Startplatz Heimat. Und spät stehe ich am Landeplatz Fiesch. Doch dies ist eine andere Geschichte.

Resumée

Drei schöne Tage unterwegs mit Sack und Pack. Viel erlebt, viel getratscht und viel Zeit im Zug. Der dritte Tag entschädigt für die (flugtechnisch gesehen) zwei enttäuschenden Vortage.